Zecken – was ist wahr, was ist Mythos?

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Über Zecken, jene Blutsauger, die einen in Wald und Wiese von Frühling bis Herbst befallen können, gibt es viele Informationen. Einige davon sind natürlich richtig, wiederum andere sind schlichtweg falsch. Dann gibt es auch noch mehrere Halbwahrheiten und Mythen. In diesem Artikel lesen Sie alles Wichtige zu Zecken, zu den Gefahren, die von ihnen ausgehen, und zur richtigen Entfernung der kleinen Blutsauger aus der Haut. Nach der Lektüre der folgenden Absätze sind Sie also rundum informiert und auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Der große Mythos: die Zecke lässt sich auf den Wirt fallen

Noch immer hält sich der Mythos, dass Zecken auf den Bäumen im Wald lauern und sich dann fallen lassen, wenn ein geeigneter Wirt unter ihnen vorbeiläuft. Damit schreibt man den Parasiten aber ein bisschen zu viel an Strategie und Beobachtungsgabe zu. Die Wahrheit ist viel einfacher und ernüchternd: Zecken sitzen vielmehr auf Grashalmen, gegebenenfalls auch Zweigen oder in Sträuchern. Dort warten sie, bis ein Mensch, ein Reh, ein Hund, eine Katze oder ein anderer passender Wirt vorbeikommt. Sie lassen sich dann einfach von ihrem Platz abstreifen, klammern sich am Wirt fest und suchen sich den Weg zu einer passenden Saugstelle. Ein Stich und los geht’s.

Noch ein Mythos: Alle Zecken machen krank

Nicht alle Zecken übertragen zwangsweise Krankheiten. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts haben nur etwas mehr als ein Drittel, nämlich rund 35 Prozent der Zecken, Borrelien im Gepäck. Es ist also nicht immer die Gefahr für die Borreliose-Ansteckung gegeben. Auch die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) ist nicht in jedem Blutsauger präsent. Nur 0,1 bis 5 Prozent der Zecken tragen die Erreger dieser Krankheit in sich – je nach Region; vor allem aber im Süden der Republik.

Nicht immer wirksam: Zeckensprays und allgemeine Abwehrsprays

Es gibt sie auch als Cremes oder Salben, meist werden sie aber als Sprays gekauft: Abwehrmittel gegen Zecken, die manchmal auch gegen Mücken und andere Angreifer helfen sollen. Jedoch helfen diese Mittel nicht immer. Einige scheinen überhaupt keinen Effekt zu haben oder müssen in übermäßig großen Mengen aufgetragen werden, damit sie etwas erreichen. Daher ist es, wenn es die Temperaturen erlauben, eher angebracht, lange und schließende Kleidung zu tragen. Man sollte den Zecken ganz einfach den Zugang zur Haut versperren. Ein Absuchen der Kleidung während den Wanderpausen oder beim Aufzeigen der Pilzsammel-Erfolge hilft, die schon eingefangenen Zecken loszuwerden bevor sie über den Saum der Kleidung und doch auf die Haut gelangen.

Nicht kratzen oder lange rumprobieren: Zecken richtig ziehen (ohne Drehung)

zeckenAm besten ist es, schon beim Wald- und Wiesen-Spaziergang eine Pinzette oder eine spezielle Zeckenzange dabei zu haben. Denn im Durchschnitt ist es am sichersten, wenn die Zecke in einem Zeitraum von zwei Stunden oder spätestens nach einem halben Tag entfernt wird. Gerade bei der Borreliose hat man mehrere Stunden Zeit, da die Erreger vom Darm der Zecke in den Saugrüssel gelangen müssen und von dort in den menschlichen Organismus. Erst dann findet die Infektion statt. Bei FSME kann natürlich eine vorherige Impfung oder die Behandlung mit Antibiotika helfen.

Schnelles Ziehen ist aber die beste Lösung. Also suchen Sie sich nach Möglichkeit schon während des Waldbesuchs ab und zu ab. Dann, wenn Sie eine Zecke gefunden haben, können Sie diese entweder wegschnipsen oder – so sie sich schon festgestochen hat – mit der Zange oder Pinzette ziehen. Dabei bringt eine Drehbewegung keinen Vorteil, egal in welche Richtung. Ziehen Sie den Parasiten gerade heraus und setzen Sie dabei soweit am Kopf an wie möglich. So drücken Sie keinen Zeckeninhalt heraus und in die Wunde.

Chemikalien, Zeckenerbrochenes und örtliche Infektionen

Auch Zecken können sich übergeben. Deshalb sollten Sie vor dem Entfernen des Tierchens keine von Großmutter empfohlenen Stoffe auf den Parasiten und die Einstichstelle geben. Weder Desinfektionsmittel noch Öl oder Nagellack(entferner) bringen Ihnen einen Vorteil. Im Gegenteil: stößt die Zecke als Reaktion darauf ihren Darminhalt aus, dann können die Krankheitserreger, welchen Sie eigentlich aus dem Weg gehen wollten, schneller in Ihren Körper gelangen.

Weniger gefährlich sind allerdings die Rückstände, die beim Ziehen der Zecke in der Haut verbleiben können. Manche sagen auch ganz pauschal, dass beim Ziehen einer Zecke immer der Kopf zurückbleibt. Meist sind es aber nur Teile des Saugapparats. Und diese Teile enthalten, wenn nicht schon vorher ausgestoßen, keine Bakterien oder Viren. Sie können, da es nun einmal Fremdkörper sind, aber eine örtliche Entzündung auslösen. Diese ist aber nicht weiter gefährlich und bei guter Pflege schnell vorüber.

Immer wieder zum Arzt: Muss man jeden Stich untersuchen lassen?

Ein Muss ist es natürlich nicht. Gerade wenn man schon einige Minuten nach dem Einstich die Zecke entfernen kann, ist man eigentlich fein raus. Nach spätestens einer Viertelstunde aber sondert die Zecke eine Art Kleber ab, der das Herausziehen des Tierchens erschwert. Je schwerer sich der Parasit entfernen lässt und je voller er schon gesogen ist, desto dringender sollten Sie zum Arzt. Oder anders ausgedrückt: hatte die Zecke mehrere Stunden Zeit sich an Ihnen zu laben und Krankheitserreger zu entlassen, dann sollten Sie einen Arztbesuch als Sicherheit wahrnehmen. Auch in jedem anderen Zweifelsfall ist ein Besuch beim Arzt angeraten.

Fazit zum Thema Zecken, Krankheiten und der Vorsorge

Ja, Zecken können gegebenenfalls Krankheiten übertragen. Das ist aber kein Grund, um bei Temperaturen über 8 Grad Celsius (ab da werden die Parasiten rege) zuhause zu bleiben. Wenn Sie lange Kleidung tragen, ab und an diese sowie Ihren Körper absuchen und eine Pinzette, Zeckenzange oder eine Zeckenkarte (passt ideal ins Portemonnaie) dabeihaben, dann sind Sie optimal vorbereitet. Die Utensilien zur Entfernung von Zecken bekommen Sie übrigens in jeder Apotheke. Bei länger nicht beachteten Zeckenstichen konsultieren Sie einen Arzt; bei einem begründeten Infektionsverdacht werden Sie entsprechend behandelt.

Viel Spaß in der Natur!



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